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Mathias Büttner zu Gesellschaft, Kultur und Cyberspace.

Personalisierte Suche und Werbung nervt? Google Web-Protokoll löschen und ausschalten.

Heute treten Googles neue Datenschutzbestimmungen in Kraft: Google kann, wenn man beim Browsen in sein Google-Konto eingelogged ist, das eigene Nutzungsverhalten aufzeichnen und z.B. für Werbezwecke oder die nervige/praktische personalisierte Suche nutzen. Nicht nur ab heute, sondern auch die Daten, die bereits im eingenen Web-Protokoll gespeichert sind. Am meisten über den Nutzer sagen dabei die Suchanfragen aus: Urlaub, Krankheiten, Vorlieben usw.

Wer also keine personalisierte Suche oder maßgeschneiderte Werbung von Google haben möchte, kann sein Web-Protokoll löschen und dauerhaft deaktivieren.

So geht’s:

  1. Ins eigene Google-Konto einloggen
  2. Auf diese Seite gehen: https://www.google.com/history/
  3. “Gesamtes Webprotokoll entfernen” klicken

Das Webprotokoll ist damit geslöscht und die Aufzeichnung pausiert. Will man die personalisierten Dienste doch wieder nutzen, kann man jederzeit auf dieser Seite auf “Fortsetzen” klicken.

 

Auch  Werbung auf Fremdseiten personalisiert Google. Dies läuft über ein Cookie “auf Grundlage Ihrer Interessen und demografischen Merkmale”, wie es auf der Website heißt. Dieses Cookie kann ebenso man ausschalten, und zwar hier:
https://www.google.com/settings/ads/onweb/#display_optout

Text vom 1. März 2012, 10:33 in der Kategorie Cyberspace.

Die sozialen Medien sind in der Pubertät

2012 werden sie erwachsen.

Bis jetzt war auf Facebook, Twitter und YouTube Spaß und Spiel. Sozusagen das Bälleparadies für alle, die bei IKEA nicht mehr rein dürfen. Und was wurden da Bälle (vor allem rethorische) hin und her geworfen, dass es eine Pracht war!

Jetzt haben wir 2012 und überall ist zu lesen, nun übernehmen die sozialen Medien unter neuen Namen die Weltherrschaft (Beweis 1, Beweis 2). Wenn man sich die Kampagne rund um den BP Wulff mal als Case herauspickt, fällt vor allem Folgendes auf:

  • Es waren (und sind) noch nie so viele Menschen über die sozialen Kanäle dermaßen involviert gewesen wie bei diesem Thema. Ob jetzt contra Wulff oder contra Bild, das Thema hat die Leute bewegt ihre Meinung öffentlich zu machen. Ein Großteil der Diskussion lief über Twitter, Blogs oder Kommentare unter Artikeln.
  • Die Art der Diskussion, die starke Polarisierung und Vereinfachung, die ironischen und sarkastischen Blüten welche der Fall hervorbrachte – all das riecht nach Pubertät. Ein letztes Hervorblitzen des Kindischen in einer unumstößlichen für-oder-gegen-Positionierung. Die Sozialen Kanäle sind nicht mehr das Bälleparadies, vielmehr die ‚linke’ Schülergruppe, die gegen „das Establishment“ kämpft.
  • Zum ersten mal war in diesem Ausmaß Online das Zentrum des Geschehenes und die klassischen Medien nur noch Verweiskanäle, die ohne die Tweets und Kommentare nichts außer die Fakten zu berichten gehabt hätten. Der Kern der Kampagne waren aber nicht die Fakten sondern die breite Diskussion. Diese fand online statt, TV, Print etc. haben nur noch verwertet. Die Windrichtung hat sich gedreht.

Warum gerade jetzt? Weil Online nicht mehr die Nische ist neben all den anderen Sachen die wir so machen. Es ist unser täglich Brot.

Wir gehen nicht mehr „ins Internet“. Wir checken nicht mehr einmal am Tag Facebook. Die Timeline läuft den ganzen Tag, hier und dort steigen wir ein in eine Diskussion, chatten kurz mit Freunden oder Geschäftspartnern, vereinbaren ein Mittagessen. Unternehmen suchen ihre Mitarbeiter dort, wo sie sich den besten Eindruck machen können und Kollegen arbeiten über Collaboration-Tools gemeinsam an Projekten. Auch der Handwerksmeister, auch die Frau Steffen vom Finanzamt Altona.

Das ist nur logisch: Die meisten Menschen kennen soziale Kommunikation aus dem privaten Bereich. Sie ist einfach, egalitär, sprachlich direkt und entspannt. Hier was posten, da was Kommentieren, dort schnell was rüberschicken. Alltag.

Dazu BITKOM in “Die Hightech-Trends des Jahres 2012″:
Weiter im Aufwind ist das Thema Social Media. Entsprechende Tools finden Eingang in den Alltag von Unternehmen und Behörden. Sie nutzen u.a. Blogs, Wikis, Kurznachrichtendienste oder soziale Online-Netzwerke für die externe und interne Kommunikation. Dafür müssen sie die technischen und organisatorischen Voraussetzungen schaffen. Laut einer BITKOM-Umfrage beschäftigen bereits 10 Prozent der Unternehmen in Deutschland eigene Mitarbeiter, die für die Kommunikation im Social Web zuständig sind.

Die Zeit, in der 80% des Social Media-Contents mit Katzen und Kindern und Katzenkindern generiert wurde ist vorbei. Auch 2012 wird uns hier und da eine süße Mieze oder Mia begegnen, aber sie werden ihren Platz vermehrt mit Unternehmen,  Ablegern von klassischen Medien, Parteien und auch kommunalen Einrichtungen teilen müssen.

Wenn ich ein Shazam zu Jamie Cullums ‚What a difference a day made’ poste, meldet sich vielleicht die O2-World mit einem Konzerttipp. Oder ein potentieller Arbeitgeber schreibt mir, dass sie das dort auch gerne hören, ich soll doch mal vorbei schaun. ZDFneo weißt mich auf einen Konzertmitschnitt hin. Und mein Zahnarzt erinnert mich daran, dass ich heute Morgen doch einen Termine gehabt hätte.

Freizeit ist schon social. Shopping wird gerade social. Arbeiten wird bald social. Und die Liebe ist es eh.

Wir haben uns an soziale Kommunikation gewöhnt. Jetzt wird sie erwachsen, sucht sich einen Job und geht feste Beziehungen ein. Das heißt aber nicht dass sie die althergebrachten Umgangsformen übernehmen muss. Vielmehr bringt jede Generation etwas Neues mit, an das sich ‘die Alten’ gewöhnen müssen. Die Firmen werden sich daran gewöhnen, ihre Mitarbeiter als Person mit einer anderen Person (Kunde, Partner) auf Augenhöhe kommunizieren zu lassen. Daran, dass Vertrauen über ihren Erfolg entscheidet. Und daran, dass sie eben eine/r unter Vielen sind.

Wer bei der sozialen Kommunikation mitmachen will, muss die neuen Regeln kennen. Diese anzunehmen und zuzulassen, wird die Herausforderung für die Unternehmen, Medienhäuser, Parteien und Behörden. Wie für alle Eltern.

Text vom 19. Januar 2012, 14:05 in der Kategorie Cyberspace.

Die schleichende Revolution: Google+ wird wieder und wieder besser

Google+ hat heute auf seinem offiziellen Blog einige neue Features angekündigt:

Feintuning für den Social Stream: Controls
Hiermit kann man einstellen, wie viel Gewicht die Postings eines Kreises im eigenen Hauptstream haben sollen. Nach den Kreisen selbst und den Sparks ein weiteres Tool, um den Infostrom auf die eigenen Bedürfnisse anzupassen. Die kleinen, an Equalizer erinnernden Regler haben einerseits den Personenbezug über die Kreise, andererseits auch Themenaspekte (wie die Sparks), da sie ja bestimmen wie viel von dem was ein Kreis diskutiert in meinem Blickfeld landet. So kann ich mal mehr aus dem Bereich Social Media (Kreis „Job-Netzwerk“) lesen, mal mehr über Politik (Kreis „SPD-Kontakte“) und kurz vor Weihnachten den Familienkreis hochdrehen, damit ich ja keine Geschenkwünsche verpasse.

 

Photo Lightbox
Die Fotos, die bisher ja ein ähnlich trauriges Dasein fristeten wie bei Facebook, werden größer, schöner, interaktiver. Das Bild ist der Mittelpunkt, in voller Größe auf schicken schwarzen Hintergrund. Rundherum sammeln sich die Funktionen wie Navigation, Kommentarfunktion – und eine stark vereinfachte Tagging-Fiunktion.

Wenn man das OneClick-Foto-Tagging nun zusammendenkt mit dem großen Alleinstellungsmerkmal von Google+, dem Einfluss der Inhalte auf die Google-Suche, versteht man die Power die hinter einer so kleinen Funktion steckt.

 

Googles interne Navigation
Der bekannte dunkelgraue Goole-Balken, bei dem Google+ als ein Produkt unter mehreren auszuwählen ist verschwindet zugunsten einer neuen Navigation. Was immer man in einem Google-Produkt gerade macht: Google+ bleibt sichtbar, alles kann geteilt werden.

Seit dem ersten Tag bei Google+ war es logisch, dass Plus bei allen Google-Produkten mit dazugehört. Endlich verschwindet dieses schräge Gefühl, dass es an dieser Stelle noch kräftig hakt – einfach durch eine durchdachte Navigation.

 

Daneben gibt’s noch einige Verbesserungen für Pages: Mehr Administratoren, besserer Kontakt zwischen diesen und eine kombinierte Übersicht, wie viele +1 die Seite hat und in wie vielen Kreisen sie ist. Ich hoffe ja, dass gerade beim Thema Auswertung und Statistik noch einige weitere gute Funktionen folgen.

 

Die vielen kleinen Verbesserungen, die Google+ unermüdlich hinzufügt, machen die von mir im Juni besprochene Strategie deutlich: Google+ wurde als Work In Progress auf den Markt geworfen und mausert sich von einem MeeToo-Produkt zur besseren Alternative.

Auf die Fragen, die sich bei der Nutzung der Social Networks stellen, liefert Google einfache, gute Antworten – weit schneller als das träge Facebook, das selbst nach der Überarbeitung der Freundeslisten und der Einführung von Timeline und Abonnements keine wirkliche Antwort parat hat auf den anschwellenden Informationsstrom, der täglich über die Pinnwand rauscht.

Google fordert Kritik geradezu ab, hört zu und setzt die besten Leute an die Lösung. Jetzt wird das große Plus von Google+ deutlich: Die ganze Entwicklerkraft von Google steht vor dem + und hinter dem Projekt. Auch für 2012 hat Die mee too (but better) – Company gute Vorsätze. Ich freu mich schon drauf.

Google+ setzt seine Durchdringung des Alltagsinternets konsequent fort. Das war von Anfang an klar.
Der alte Haken: Meine Kontakte sind immer noch alle bei…

Text vom 19. Dezember 2011, 17:05 in der Kategorie Cyberspace.

Die Partei der Vielen.

Als sich Ende des 19. Jahrhunderts Arbeiter in Vereinen zusammenschlossen, war das eine Bewegung der Massen gegen eine selbsterhaltende aristokratisch-ökonomische Minderheitenherrschaft. Ein kleiner Bevölkerungsteil aus Erbmonarchen und Fabrikbesitzern bestimmten das Geschick der gesamten Gesellschaft, weil sie Monopole über die Kommunikation und die Gewaltausübung in ihren Händen hielten – nicht weil sie es besser konnten.

Den Beherrschten war die Ungerechtigkeit dieses Systems zwar bewusst, doch bleibt das Politische Privatsache, solange man keine Stimme hat, die gehört wird. Das änderte sich mit den Arbeitervereinen: Das diffuse Gefühl, in einem ungerechten System zu leben, die Wut auf die Bereicherung der wenigen durch die Arbeit der Vielen ließ sich gemeinsam erstmals öffentlich artikulieren und wurde so zu einem gesellschaftlichen Faktor. Man traf sich zum Feierabend auf ein Bier und dann wurde es politisch.

„Risiken und Gewinne sind nicht gerecht verteilt“ und „Wir sind viele“ – kennen wir das nicht? Doch, denn diese Gefühlslage ist hochaktuell: „Wir sind 99%“ ist das Motto der Occupy-Bewegung. 1% der Bevölkerung hält einen Großteil des Vermögens, der Medien, der Regierungsämter in ihrer Hand. Und damit die Geschicke auch der restlichen 99%.

Es sind wieder viele, ich behaupte mal ein Großteil der Menschen, die dieses Grundgefühl großer Ungerechtigkeit haben. Während einige Wenige in der virtuellen Parallelwelt des Kapitals durch Inkompetenz oder Gier die Weltwirtschaft an die Wand fahren, ist es die große Masse der Bürger überall auf der Welt, die die Auswirkungen auf die Realwirtschaft am eigenen Leib erfahren. Die Eruptionen im weltweiten Börsencasino sind noch im hintersten Winkel und in fast jedem Privatleben zu spüren.

Diese 99% fangen nun an, ihre Stimme zu erheben, mit den digitalen Medien haben Sie erstmals adäquate Werkzeuge dafür in der Hand. Über die egalitären, direktdemokratischen Strukturen des Internets werden sich die Empörten  melden und die Ungerechtigkeiten ihrer Lebenswelt anprangern. Die Partizipations- und Organisationsmöglichkeiten des Internets wird aus unserer Politik der Wenigen eine Demokratie der Vielen machen . Noch ist es ein dissonanter Chor der seinen Unmut äußert, aber ruhig zu halten ist er nicht.

Die historische Aufgabe und Chance der Sozialdemokratie könnte es sein, den ungehörten Vielen wieder eine Plattform, dem Kampf für Gerechtigkeit wieder eine politische Heimat zu geben.

Dieser Kampf findet heute überall statt: Im Steuersystem, bei den Bildungschancen, beim gleichberechtigen Zugang zu schnellem Internet, bei der Verhinderung von Medienmonopolen usw.

Ich will, dass sich meine SPD sich wieder auf die Seite der Mehrheit stellt. Dass sie den Anspruch „Volkspartei“ wörtlich nimmt. Dass sie gegen die Konzentration von Macht, Besitz, Meinungshoheit in den Händen einiger Weniger kämpft und diese Strukturen nicht weiter unterstützt.

Die digitale Revolution, die wir gerade erleben, gibt uns ein gutes Rüstzeug dafür in die Hand. Deshalb ist es so wichtig, dass wir Sozialdemokraten aufhören, die Angst vor dem Internet unsere Entscheidungen bestimmen zu lassen. Das Netz bietet die Chance, zuzuhören, Diskussionen zu führen und  Menschen in gesellschaftliche Prozesse einzubinden, die dachten sie könnten eh nichts bewirken, wären ohnmächtig den Entscheidungen an ganz anderer Stelle ausgeliefert.

Wir sind die Partei der Vielen, schon immer. Und das Netz ist ihre Stimme.
Die SPD kann es schaffen, wieder das Sammelbecken und der Verstärker dieser Stimmen zu sein. Eine Plattform für die Auseinandersetzung darüber, was das Beste für die Mehrheit ist.

Wir müssen uns keine neue große Geschichte finden, die wir als SPD erzählen können. Wir haben sie seit 150 Jahren: Das Thema Gerechtigkeit ist moderner denn je.

Text vom 6. Dezember 2011, 15:03 in der Kategorie Cyberspace, Gesellschaft.

Wann fängt diese Demokratie endlich an, sich zu wehren?

Der braune Terror kam nicht überraschend. Und dennoch hat er viele überrascht, die es hätten wissen müssen. Seit Jahren beobachten wir, wie sich rechte Strukturen in Kameradschaften, in allen verfügbaren Medien und in diversen Parlamenten festigen. In den letzten Jahren haben Ermittler 800 Waffen bei Neonazis konfisziert, darunter neben allerlei Schusswaffen auch Sprengsätze, so ist heute zu hören. Die braunen Horden ziehen seit den neunziger Jahren durchs Land, zünden Häuser an, prügeln Menschen aufs grausamste zu Tode.

Wir haben die Flammen von Hoyerswerda, Solingen und Rostock-Lichtenhagen im Fernsehen gesehen, das ist 20 Jahre her! In den Zeitungen stehen seit ich denken kann Berichte von Menschen, die aufs übelste zugerichtet werden, weil sie anders aussehen – oder einfach nur so. Wir können heute im Netz Artikel über „Judensäue“ und „lebensunwertes Leben“ lesen. Wir landen bei hasserfüllten Musikvideos auf YouTube.

Der braune Mob ist sichtbar, seit Jahrzenten.

Trotzdem gibt es keine belastbare Statistik über Gewalttaten mit rechtsradikalem Hintergrund. Die meisten Straftaten werden politisch einfach nicht eingeordnet – obwohl es Richter und Ermittler besser wissen. Trotzdem wird so getan, als könne Binnenterror nur von Links kommen. Jede Antifa-Demo wird gefilmt und kontrolliert, als wäre die bloße Anwesenheit auf Demos schon verboten. In anderen Gegenden dagegen können Nazis im vollen Wortsinn unbehelligt auf Marktplätzen ihre Parolen brüllen, zum Hass aufrufen und durch Einschüchterung Meinungsmonopole errichten – in aller Öffentlichkeit.

In Ostdeutschland werden soziale Strukturen von Neonazis unterwandert und übernommen. Die etablierte Politik, selbst Bürgermeister und Verantwortliche aus demokratischen Parteien, zucken hilflos mit den Schultern und lassen die Rechten gewähren.

Wer immer noch nicht glauben mag, was wir da zulassen, löse eine Fahrkarte nach Schwerin und statte einer Landtagssitzung einen Besuch ab. Machen Sie kurz die Augen zu und lauschen den Abgeordneten der NPD: Hetzreden wie aus den 20ern und 30ern des letzten Jahrhunderts.

Wir müssen uns endlich wehren. Wir alle, der ganze Staat, jeder und jede Abgeordnete, jeder Bürger und jede Bürgerin. Es ist nicht mehr gemütlich in der deutschen Wohlstandsdemokratie. Die Nazis stehen nicht mehr ante portas. Sie sind längst hier in den Köpfen, in den Parlamenten, in unserer Mitte. Das wurde lange verdrängt und es es einzugestehen tut weh, macht Angst, macht Ärger.

Die neuen Nazis kämpfen mit allen Mitteln (wie jetzt immer klarer wird mit wirklich allen) gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung. Die sind nicht zimperlich, wir sollten es auch nicht sein. Lasst und endlich anfangen, die Gesetze bis zum letzten Winkel auszureizen um uns zu verteidigen. Nicht nur unsere Demokratie, unsere Freiheit – die sowieso. Auch uns selbst. Denn wer von uns hat nicht zumindest eine Eigenschaft, die ihn oder sie zum potentiellen Opfer dieser menschenverachtenden Gesinnung macht?

Die unmissverständliche Botschaft an die braune Brut muss ein: Wir sehen euch, wir wissen was ihr vorhabt und wir werden es nicht zulassen.

Text vom 30. November 2011, 13:30 in der Kategorie Gesellschaft.

Was (nicht wer) wird Apple in Zukunft steuern?

Vom Tod Steve Jobs’ habe ich aus der gedruckten Zeitung erfahren. Ebenso von der floppy iPhone 4S-Präsentation. Ich war 3 Wochen offline, habe also die komplette Diskussion über die Zukunft von Apple ohne Jobs und ohne iPhone 5 verpasst. Dafür habe ich gestern im Flugzeug zurück (auch in der Zeitung) bemerkenswertes aus Redmond gelesen – und ich behaupte: Omnitouch hat das Potential zum Apple-Killer.

Nach dem Vista-Desaster und nach dem iPad schien der schleichende Niedergang des ehemaligen Giganten Microsoft unausweichlich. Xbox, Bing, Windows 7 und Phone 7 sind keine Avantgarde, vielmehr Versuche den Innovationen aus anderen Häusern hinterher zu kommen. Und mit PC-Software lässt sich auch kein Blumentopf mehr gewinnen.

Doch schon das kurze Filmchen zu Windows 8 ließ aufhorchen: Schafft es der schwerfällige Riese doch noch, mit dem Besten aus Windows Phone 7 ein einfaches, übersichtliches Betriebssystem zu bauen, das es schafft eine Vielzahl von Geräten abzudecken? Das, was Microsoft uns in dem Apple-Lookalike-Filmchen zeigt, ist mit gelernten Gesten und Berührungen intuitiv bedienbar, die auf Kacheln basierende Oberfläche genial simpel. Sogar mein Vater, der noch nie einen Touchscreen berührt hat, würde damit klar kommen. Ich war beeindruckt.

Und jetzt der Omnitouch-Coup. Klar, wer Star Treck kennt, kennt Omnitouch. Doch was Microsoft damit angestoßen hat, das wirklich zu bauen, wird unsere Art mit Rechnern zu arbeiten weit mehr beeinflussen, als es das iPad hat. Wenn Omnitouch erstmal in Handygröße verfügbar ist.
Das Pad war ein großer Schritt, doch nur der erste Schritt auf dem Weg der Gestensteuerung. In Zukunft werden die Rechner uns verstehen, ohne dass wir die Steuerung erst erlernen müssen („Maschinenschreiben“). Wir werden greifen, drücken, lächeln und damit unsere Geräte steuern – und das wird sicher nicht auf einem zweidimensionalen 10’’-Screen passieren.

Apple sollte sich warm anziehen. Noch immer ist kein iMac mit Touch-Oberfläche auf dem Markt. Auch die Versuche, iOS und OSX zusammenzubringen, gleichen bisher eher einer Bastelgruppenarbeit. Ich weiß natürlich nicht, was in den Apple-Labors gerade entwickelt wird. Aber sich auf seiner Vorherschafft im Touchscreen-Bereich auszuruhen, könnte für Apple tödlich sein.

Die Strategie der Evolution aus Produkten des eigenen Hauses wird sich für Microsoft auszahlen. Der dicke Riese hat sich bewegt und die Computerwelt nach langer Zeit mal wieder zum vibrieren gebracht. Es könnte ein Beben daraus werden – wer hätte das gedacht.

Text vom 23. Oktober 2011, 11:43 in der Kategorie Cyberspace.

Deutschland steigt aus der Ehe aus

- ein Plädoyer für eine Lebenspartnerschaft für alle.

Zum 10. Jahrestag der eingetragenen Lebenspartnerschaft für homosexuelle Paare in Deutschland wird viel gefreut und einiges kritisiert – beides zu Recht. Es ist eine Sternstunde der deutschen Gesetzgebung, dass mit etwas so abstrakten und bürokratischen wie einer rechtlichen Grundlage für das Zusammenleben von gleichgeschlechtlichen Paaren eine breite gesellschaftliche Akzeptanz angestoßen wurde, die vielen Paaren das ein ‚normales‘, entspanntes Alltagsleben ermöglicht. Vor zehn Jahren wurde damit von der rot-grünen Bundesregierung der Grundstein dafür geschaffen, dass heute auf den kurzen Moment der Normabweichungs-Aufmerksamkeit wohltuendes Desinteresse an offensichtlich zusammengehörenden Männern oder Frauen folgt. Meistens.

Kritik entzündet die nach wie vor herrschende gesetzlich fundierte Ungleichbehandlung von Ehe und Lebenspartnerschaft in den Bereichen Erbschaft/Schenkung und beim Adoptionsrecht, die wir der Blockade der C-Parteien zu verdanken haben. Einige, darunter auch die SPD, fordern nun die Öffnung der Ehe für Schwule und Lesben. Der richtige Kampf aus besten Motiven – an der vollkommen falschen Front.

Ja, auch ich will meinen Mann heiraten. Und ja, auch ich will das so nennen dürfen. Aber der Staat muss endlich aus dem Konstrukt ‚Ehe‘ der christlichen heterosexuellen Tradition aussteigen! Der Gesetzgeber hat die Aufgabe, das Zusammenleben der Mitglieder einer Gesellschaft zu regeln. Wer darf wann was mit wem. Aber bitte ohne die bisdassdertodeuchscheidet-vorgott-Symbolik. Das ist Aufgabe – alleinige Aufgabe – der Religionsgemeinschaften.

Vor dem Staat sollen zwei Menschen einen Vertrag schließen können, der ihnen Pflichten und Rechte gesetzlich zusichert. Egal welchem Geschlecht sie angehören. Egal ob sie Kinder zeugen/adoptieren werden oder nicht. Und egal ob sie gläubig sind oder nicht.

Die Öffnung der Ehe sollten wir von den Kirchen fordern. Vom Staat will ich einen Vertrag mit meinem Partner und den Schutz meiner Rechte. Nichts mehr.

 

(Man beachte die beiden Bilder der Links. Der bayerische Mann scheint der Vorzeigehomosexuelle unserer Zeit zu sein)

Text vom 1. August 2011, 12:17 in der Kategorie Gesellschaft.

SICHERHEIT! hilft uns nicht weiter

Und es geht los: Während im Land der Anschläge bei aller Hilflosigkeit, die sicher auch eine Menge Wut erzeugt, erstaunlich besonnen auf mehr Demokratie und Offenheit gesetzt wird, schlagen die üblichen Reflexe in Deutschland an. Mehr Überwachung, mehr Sicherheit.

Dem CSU-Politiker Hans-Peter Uhl zufolge müsse die Überwachung von Internetverkehr und Telefongesprächen vorab möglich sein.

Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei Bernhard Witthaut sprach sich dafür aus, neben der Anti-Terror-Datei für offensichtliche “Gefährder” auch eine für auffällig gewordene Personen einzurichten. “Wir müssen alles tun, um mitzubekommen, wenn jemand mit solchen kruden Gedanken auffällt.“

Dass eine Liste für sogenannte „Gefährder“ wie auch die Überwachung aller digitaler Kommunikation eine Menge Unbescholtener enthält liegt in der Natur der Sache – trotzdem soll obendrauf auch noch „auffälliges Verhalten“ dokumentiert werden. Damit würden wir in eine mehr als graue Zone in der sogenannten freiheitlich demokratischen Grundordnung steuern.

Was dabei deutlich wird: Es scheint einen Wettbewerb um das Versprechen auf Sicherheit zu geben, der für die eigene Profilierung bis ins Paradoxe gesteigert wird. Jeder präsentiert sich als noch kompetenter, mit seinen Vorschlägen für unsere Sicherheit sorgen zu können. Und wenn es dann trotz aller Maßnahmen noch Anschläge geben sollte (in einem anderen Land mit ganz anderen Gegebenheiten), wird die nächste Idee aus dem Hut gezaubert.

Die Frage, die man sich stellen sollte ist: Welches Bedürfnis wird mit solch kruden Aussagen befriedigt? Warum ist das Bedürfnis nach Sicherheit in manchen Gesellschaften so groß, dass man mit derart tiefen Eingriffen in die Freiheitsrechte, wie sie vor einigen Jahren höchsten in dystopischen Büchern oder Filmen zu finden waren, Zustimmung und Wähler gewinnen kann? Ist dieses (uneinlösbare) Versprechen der Obhut des Staates die einzige Antwort auf die Angst der Bürgerinnen und Bürger?

Es wäre an der Zeit für eine solche Debatte in Deutschland. Wir sollten darüber reden, wieviel Risiko wir bereit sind in Kauf zu nehmen. Wieviel Lebensqualität (und darum geht es) wir uns erhalten müssen trotz der Bedrohung und wieviel wir bereit sind zu opfern für ein gewisses Maß an Schutz. Wir sollten den Überwachungsfanatikern Grenzen setzen, als selbstbewusste, offene Gesellschaft. Das können wir, wenn wir unsere Ziele einmal durchdiskutiert und klar definiert haben.

Leben ist Risiko. Das Streben nach absoluter Sicherheit macht Beziehungen, macht Vertrauen kaputt und führt im Sozialen zu Stillstand oder gar Auflösung.

Die unantastbare oberste Prämisse Sicherheit muss überdacht werden.

Text vom 25. Juli 2011, 13:03 in der Kategorie Gesellschaft.

Google: Die mee too (but better) – Company

1995, als das Internet noch beschaulich und überschaubar war, suchten die meisten von uns mit Altavista. Der damalige Platzhirsch brachte das erste Mal für eine breite Masse das Gefühl von Ordnung ins noch etwas nerdige Netz – und machte es damit attraktiv auch für Laien. 1998 kam Google und übernahm innerhalb kurzer Zeit die Marktführerschaft, die bis heute mit ca. 80% aller Websuchen anhält. Während Altavista für seine Suchergebnisse hauptsächlich auf die Metatags der Websites schaute, durchsuchen die Crawler von Google Websites nach Suchbegriffen und Schlüsselworten und errechnen den Page Rank. Die Ergebnisse sind so nach Relevanz sortiert, ein Evolutionssprung in der Internetsuche.

Bereits bei diesem ersten Streich sind zwei grundlegende Strategien des Unternehmens aus Mountain View zu erkennen, die bis heute gelten:

  1. Sie erfinden nichts grundlegend Neues (Suchmaschinen gab es bereits), sondern erkennen die Relevanz und die Schwachstellen des vorhandenen erfolgreichen Angebots, um in der Folge ein mee too-Produkt auf dem Markt zu bringen, das sein Vorbild um Längen schlägt.
  2. Dabei muss das mee too-Google-Produkt nicht schon in der ersten veröffentlichten Version alles Vorhandene in den Schatten stellen, sondern bekommt Zeit in einem stetigen Verbesserungsprozess seine volle Kraft zu entwickeln – bis der Marktführer überholt ist. Bei der ersten Version geht es vielmehr darum, einen Pflock einzuschlagen, zu zeigen: Wir haben die erkannt, was ihr wollt – hier kommt was von Google.

Beispiele gibt es viele, von der Suche über webbasierte Mailaccounts bis hin zu Android. Wenn man sich das Portfolio von Google ansieht, fällt einem zu fast jedem Angebot ein Tool ein, das man stattdessen früher benutzt hat. Und nun Google+, das alle als das bessere Facebooktwitterflickrfacetime bejubeln (oder auch nicht).

Es gibt noch einen anderen Big Player, der 20 Jahre zuvor mit dieser Strategie zum Marktführer wurde: Auch Microsoft hat wenig Neues in die Software-Welt gebracht. Windows ist eine schlechte (aber weitaus erfolgreichere) Kopie von Mac OS, vor Word beherrschte WordPerfekt den Markt und von der Xbox wollen wir erst gar nicht reden. Im Unterschied zu Microsoft schafft es Google allerdings immer, das bereits Vorhandene und erfolgreiche nicht nur schlecht zu kopieren, sondern für den User noch viel viel besser zu machen.

Ja, Google Produkte sind super. Aber auch und vor allem, weil die Entwickler und GUI-Designer des Unternehmens auf Vorhandenes aufbauen können – und das können sie verdammt gut. Google hat die größte Entwicklerpower überhaupt. Und das bringt dem Unternehmen ein untrügliches Gespür, was die User gerne nutzen, was ihnen dabei fehlt und auf den Geist geht und was der nächste logische Schritt ist.

Aber Google ist nicht Apple, die zu recht sagen können: „Das verändert alles. Wieder einmal.“

Text vom 15. Juli 2011, 12:40 in der Kategorie Cyberspace and tagged .