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Mathias Büttner zu Gesellschaft, Kultur und Cyberspace.

Deutschland steigt aus der Ehe aus

- ein Plädoyer für eine Lebenspartnerschaft für alle.

Zum 10. Jahrestag der eingetragenen Lebenspartnerschaft für homosexuelle Paare in Deutschland wird viel gefreut und einiges kritisiert – beides zu Recht. Es ist eine Sternstunde der deutschen Gesetzgebung, dass mit etwas so abstrakten und bürokratischen wie einer rechtlichen Grundlage für das Zusammenleben von gleichgeschlechtlichen Paaren eine breite gesellschaftliche Akzeptanz angestoßen wurde, die vielen Paaren das ein ‚normales‘, entspanntes Alltagsleben ermöglicht. Vor zehn Jahren wurde damit von der rot-grünen Bundesregierung der Grundstein dafür geschaffen, dass heute auf den kurzen Moment der Normabweichungs-Aufmerksamkeit wohltuendes Desinteresse an offensichtlich zusammengehörenden Männern oder Frauen folgt. Meistens.

Kritik entzündet die nach wie vor herrschende gesetzlich fundierte Ungleichbehandlung von Ehe und Lebenspartnerschaft in den Bereichen Erbschaft/Schenkung und beim Adoptionsrecht, die wir der Blockade der C-Parteien zu verdanken haben. Einige, darunter auch die SPD, fordern nun die Öffnung der Ehe für Schwule und Lesben. Der richtige Kampf aus besten Motiven – an der vollkommen falschen Front.

Ja, auch ich will meinen Mann heiraten. Und ja, auch ich will das so nennen dürfen. Aber der Staat muss endlich aus dem Konstrukt ‚Ehe‘ der christlichen heterosexuellen Tradition aussteigen! Der Gesetzgeber hat die Aufgabe, das Zusammenleben der Mitglieder einer Gesellschaft zu regeln. Wer darf wann was mit wem. Aber bitte ohne die bisdassdertodeuchscheidet-vorgott-Symbolik. Das ist Aufgabe – alleinige Aufgabe – der Religionsgemeinschaften.

Vor dem Staat sollen zwei Menschen einen Vertrag schließen können, der ihnen Pflichten und Rechte gesetzlich zusichert. Egal welchem Geschlecht sie angehören. Egal ob sie Kinder zeugen/adoptieren werden oder nicht. Und egal ob sie gläubig sind oder nicht.

Die Öffnung der Ehe sollten wir von den Kirchen fordern. Vom Staat will ich einen Vertrag mit meinem Partner und den Schutz meiner Rechte. Nichts mehr.

 

(Man beachte die beiden Bilder der Links. Der bayerische Mann scheint der Vorzeigehomosexuelle unserer Zeit zu sein)

Text vom 1. August 2011, 12:17 in der Kategorie Gesellschaft.

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