mbuet2000
Mathias Büttner zu Gesellschaft, Kultur und Cyberspace.

Was (nicht wer) wird Apple in Zukunft steuern?

Vom Tod Steve Jobs’ habe ich aus der gedruckten Zeitung erfahren. Ebenso von der floppy iPhone 4S-Präsentation. Ich war 3 Wochen offline, habe also die komplette Diskussion über die Zukunft von Apple ohne Jobs und ohne iPhone 5 verpasst. Dafür habe ich gestern im Flugzeug zurück (auch in der Zeitung) bemerkenswertes aus Redmond gelesen – und ich behaupte: Omnitouch hat das Potential zum Apple-Killer.

Nach dem Vista-Desaster und nach dem iPad schien der schleichende Niedergang des ehemaligen Giganten Microsoft unausweichlich. Xbox, Bing, Windows 7 und Phone 7 sind keine Avantgarde, vielmehr Versuche den Innovationen aus anderen Häusern hinterher zu kommen. Und mit PC-Software lässt sich auch kein Blumentopf mehr gewinnen.

Doch schon das kurze Filmchen zu Windows 8 ließ aufhorchen: Schafft es der schwerfällige Riese doch noch, mit dem Besten aus Windows Phone 7 ein einfaches, übersichtliches Betriebssystem zu bauen, das es schafft eine Vielzahl von Geräten abzudecken? Das, was Microsoft uns in dem Apple-Lookalike-Filmchen zeigt, ist mit gelernten Gesten und Berührungen intuitiv bedienbar, die auf Kacheln basierende Oberfläche genial simpel. Sogar mein Vater, der noch nie einen Touchscreen berührt hat, würde damit klar kommen. Ich war beeindruckt.

Und jetzt der Omnitouch-Coup. Klar, wer Star Treck kennt, kennt Omnitouch. Doch was Microsoft damit angestoßen hat, das wirklich zu bauen, wird unsere Art mit Rechnern zu arbeiten weit mehr beeinflussen, als es das iPad hat. Wenn Omnitouch erstmal in Handygröße verfügbar ist.
Das Pad war ein großer Schritt, doch nur der erste Schritt auf dem Weg der Gestensteuerung. In Zukunft werden die Rechner uns verstehen, ohne dass wir die Steuerung erst erlernen müssen („Maschinenschreiben“). Wir werden greifen, drücken, lächeln und damit unsere Geräte steuern – und das wird sicher nicht auf einem zweidimensionalen 10’’-Screen passieren.

Apple sollte sich warm anziehen. Noch immer ist kein iMac mit Touch-Oberfläche auf dem Markt. Auch die Versuche, iOS und OSX zusammenzubringen, gleichen bisher eher einer Bastelgruppenarbeit. Ich weiß natürlich nicht, was in den Apple-Labors gerade entwickelt wird. Aber sich auf seiner Vorherschafft im Touchscreen-Bereich auszuruhen, könnte für Apple tödlich sein.

Die Strategie der Evolution aus Produkten des eigenen Hauses wird sich für Microsoft auszahlen. Der dicke Riese hat sich bewegt und die Computerwelt nach langer Zeit mal wieder zum vibrieren gebracht. Es könnte ein Beben daraus werden – wer hätte das gedacht.

This entry was written by mbuet, posted on 23. Oktober 2011 at 11:43, filed under Cyberspace. Leave a comment or view the discussion at the permalink.