mbuet2000
Mathias Büttner zu Gesellschaft, Kultur und Cyberspace.

Die schleichende Revolution: Google+ wird wieder und wieder besser

Google+ hat heute auf seinem offiziellen Blog einige neue Features angekündigt:

Feintuning für den Social Stream: Controls
Hiermit kann man einstellen, wie viel Gewicht die Postings eines Kreises im eigenen Hauptstream haben sollen. Nach den Kreisen selbst und den Sparks ein weiteres Tool, um den Infostrom auf die eigenen Bedürfnisse anzupassen. Die kleinen, an Equalizer erinnernden Regler haben einerseits den Personenbezug über die Kreise, andererseits auch Themenaspekte (wie die Sparks), da sie ja bestimmen wie viel von dem was ein Kreis diskutiert in meinem Blickfeld landet. So kann ich mal mehr aus dem Bereich Social Media (Kreis „Job-Netzwerk“) lesen, mal mehr über Politik (Kreis „SPD-Kontakte“) und kurz vor Weihnachten den Familienkreis hochdrehen, damit ich ja keine Geschenkwünsche verpasse.

 

Photo Lightbox
Die Fotos, die bisher ja ein ähnlich trauriges Dasein fristeten wie bei Facebook, werden größer, schöner, interaktiver. Das Bild ist der Mittelpunkt, in voller Größe auf schicken schwarzen Hintergrund. Rundherum sammeln sich die Funktionen wie Navigation, Kommentarfunktion – und eine stark vereinfachte Tagging-Fiunktion.

Wenn man das OneClick-Foto-Tagging nun zusammendenkt mit dem großen Alleinstellungsmerkmal von Google+, dem Einfluss der Inhalte auf die Google-Suche, versteht man die Power die hinter einer so kleinen Funktion steckt.

 

Googles interne Navigation
Der bekannte dunkelgraue Goole-Balken, bei dem Google+ als ein Produkt unter mehreren auszuwählen ist verschwindet zugunsten einer neuen Navigation. Was immer man in einem Google-Produkt gerade macht: Google+ bleibt sichtbar, alles kann geteilt werden.

Seit dem ersten Tag bei Google+ war es logisch, dass Plus bei allen Google-Produkten mit dazugehört. Endlich verschwindet dieses schräge Gefühl, dass es an dieser Stelle noch kräftig hakt – einfach durch eine durchdachte Navigation.

 

Daneben gibt’s noch einige Verbesserungen für Pages: Mehr Administratoren, besserer Kontakt zwischen diesen und eine kombinierte Übersicht, wie viele +1 die Seite hat und in wie vielen Kreisen sie ist. Ich hoffe ja, dass gerade beim Thema Auswertung und Statistik noch einige weitere gute Funktionen folgen.

 

Die vielen kleinen Verbesserungen, die Google+ unermüdlich hinzufügt, machen die von mir im Juni besprochene Strategie deutlich: Google+ wurde als Work In Progress auf den Markt geworfen und mausert sich von einem MeeToo-Produkt zur besseren Alternative.

Auf die Fragen, die sich bei der Nutzung der Social Networks stellen, liefert Google einfache, gute Antworten – weit schneller als das träge Facebook, das selbst nach der Überarbeitung der Freundeslisten und der Einführung von Timeline und Abonnements keine wirkliche Antwort parat hat auf den anschwellenden Informationsstrom, der täglich über die Pinnwand rauscht.

Google fordert Kritik geradezu ab, hört zu und setzt die besten Leute an die Lösung. Jetzt wird das große Plus von Google+ deutlich: Die ganze Entwicklerkraft von Google steht vor dem + und hinter dem Projekt. Auch für 2012 hat Die mee too (but better) – Company gute Vorsätze. Ich freu mich schon drauf.

Google+ setzt seine Durchdringung des Alltagsinternets konsequent fort. Das war von Anfang an klar.
Der alte Haken: Meine Kontakte sind immer noch alle bei…

This entry was written by mbuet, posted on 19. Dezember 2011 at 17:05, filed under Cyberspace. Leave a comment or view the discussion at the permalink.

Die Partei der Vielen.

Als sich Ende des 19. Jahrhunderts Arbeiter in Vereinen zusammenschlossen, war das eine Bewegung der Massen gegen eine selbsterhaltende aristokratisch-ökonomische Minderheitenherrschaft. Ein kleiner Bevölkerungsteil aus Erbmonarchen und Fabrikbesitzern bestimmten das Geschick der gesamten Gesellschaft, weil sie Monopole über die Kommunikation und die Gewaltausübung in ihren Händen hielten – nicht weil sie es besser konnten.

Den Beherrschten war die Ungerechtigkeit dieses Systems zwar bewusst, doch bleibt das Politische Privatsache, solange man keine Stimme hat, die gehört wird. Das änderte sich mit den Arbeitervereinen: Das diffuse Gefühl, in einem ungerechten System zu leben, die Wut auf die Bereicherung der wenigen durch die Arbeit der Vielen ließ sich gemeinsam erstmals öffentlich artikulieren und wurde so zu einem gesellschaftlichen Faktor. Man traf sich zum Feierabend auf ein Bier und dann wurde es politisch.

„Risiken und Gewinne sind nicht gerecht verteilt“ und „Wir sind viele“ – kennen wir das nicht? Doch, denn diese Gefühlslage ist hochaktuell: „Wir sind 99%“ ist das Motto der Occupy-Bewegung. 1% der Bevölkerung hält einen Großteil des Vermögens, der Medien, der Regierungsämter in ihrer Hand. Und damit die Geschicke auch der restlichen 99%.

Es sind wieder viele, ich behaupte mal ein Großteil der Menschen, die dieses Grundgefühl großer Ungerechtigkeit haben. Während einige Wenige in der virtuellen Parallelwelt des Kapitals durch Inkompetenz oder Gier die Weltwirtschaft an die Wand fahren, ist es die große Masse der Bürger überall auf der Welt, die die Auswirkungen auf die Realwirtschaft am eigenen Leib erfahren. Die Eruptionen im weltweiten Börsencasino sind noch im hintersten Winkel und in fast jedem Privatleben zu spüren.

Diese 99% fangen nun an, ihre Stimme zu erheben, mit den digitalen Medien haben Sie erstmals adäquate Werkzeuge dafür in der Hand. Über die egalitären, direktdemokratischen Strukturen des Internets werden sich die Empörten  melden und die Ungerechtigkeiten ihrer Lebenswelt anprangern. Die Partizipations- und Organisationsmöglichkeiten des Internets wird aus unserer Politik der Wenigen eine Demokratie der Vielen machen . Noch ist es ein dissonanter Chor der seinen Unmut äußert, aber ruhig zu halten ist er nicht.

Die historische Aufgabe und Chance der Sozialdemokratie könnte es sein, den ungehörten Vielen wieder eine Plattform, dem Kampf für Gerechtigkeit wieder eine politische Heimat zu geben.

Dieser Kampf findet heute überall statt: Im Steuersystem, bei den Bildungschancen, beim gleichberechtigen Zugang zu schnellem Internet, bei der Verhinderung von Medienmonopolen usw.

Ich will, dass sich meine SPD sich wieder auf die Seite der Mehrheit stellt. Dass sie den Anspruch „Volkspartei“ wörtlich nimmt. Dass sie gegen die Konzentration von Macht, Besitz, Meinungshoheit in den Händen einiger Weniger kämpft und diese Strukturen nicht weiter unterstützt.

Die digitale Revolution, die wir gerade erleben, gibt uns ein gutes Rüstzeug dafür in die Hand. Deshalb ist es so wichtig, dass wir Sozialdemokraten aufhören, die Angst vor dem Internet unsere Entscheidungen bestimmen zu lassen. Das Netz bietet die Chance, zuzuhören, Diskussionen zu führen und  Menschen in gesellschaftliche Prozesse einzubinden, die dachten sie könnten eh nichts bewirken, wären ohnmächtig den Entscheidungen an ganz anderer Stelle ausgeliefert.

Wir sind die Partei der Vielen, schon immer. Und das Netz ist ihre Stimme.
Die SPD kann es schaffen, wieder das Sammelbecken und der Verstärker dieser Stimmen zu sein. Eine Plattform für die Auseinandersetzung darüber, was das Beste für die Mehrheit ist.

Wir müssen uns keine neue große Geschichte finden, die wir als SPD erzählen können. Wir haben sie seit 150 Jahren: Das Thema Gerechtigkeit ist moderner denn je.

This entry was written by mbuet, posted on 6. Dezember 2011 at 15:03, filed under Cyberspace, Gesellschaft. Leave a comment or view the discussion at the permalink.